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Afrikanische Landschaften sehen negative und positive Prozesse. Ein Gespräch mit Cyrus Samimi über Mobilität zur Lebenssicherung, Urban Gardening und den Umgang mit der Natur.
Herr Prof. Samimi, was kennzeichnet den Umweltwandel der vergangenen Jahre in Subsahara?
Cyrus Samimi: Eine sehr große Heterogenität, wie über all auf der Welt. Nicht alles entwickelt sich zum Schlechteren. Als ich zum Beispiel in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts anfing zu studieren, war Desertifikation im Sahel das große Thema. Da wurden massive Vorstöße der Sahara vorhergesagt, die so zum Glück nicht stattgefunden haben; es war eine Fluktuation
Hatte man sich damals geirrt?
Das würde ich nicht sagen. Es gab damals einen starken klimatologischen Impact, der zu sozialen Katastrophen führte, an Nutztieren starben ja sehr viele. Es war eben die Zeit, in der Klimadynamiken noch nicht so gut verstanden wurden. Es zeichnet Wissenschaft aus, dass bestimmte Phänomene nicht sofort durchdrungen werden. Damals fing man dann an mit Langzeitreihen zu arbeiten, es begann die Nutzung von Satellitendaten – und langsam entblätterte sich dieses Klimasystem in all seiner Komplexität. Noch heute haben wir nicht alles vollends verstanden.
Was unterscheidet eigentlich Umweltwandel von Klimawandel?
Umweltwandel in Subsahara-Afrika beschreibt zum Beispiel Naturschutzmaßnahmen wie die Ausweitung von Nationalparks, die Verstädterung, das Verbot von Gebrauchsplastik oder Staudammprojekte wie in Äthiopien – der Klimawandel kommt dann oben drauf.
Das sind negative wie positive Prozesse…
…differenzieren wir also. Mit am negativsten bei den Umweltwandeln waren in den vergangenen Jahren aus meiner Sicht Einflüsse auf die Süßwasser-Ökosysteme. Durch synthetische Pestizide in der Landwirtschaft und durch die Urbanisierung sind zum Beispiel in den Viktoriasee sehr viele gefährdende Vergiftungen eingeleitet worden. Das betrifft die ganze Kette großer Seen in Ost- und Zentralafrika. Auch die Überfischung an den Küsten bildet einen großen negativen Eingriff: Wir aus dem globalen Norden tragen mit den riesigen Trawlern dafür eine Verantwortung; die meisten afrikanischen Länder haben nicht die Kapazitäten dies zu kontrollieren und setzen ihre eigenen Nutzungsrechte kaum durch. Verloren gehen aber auch naturnahe Ökosysteme durch Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft.
Wie spielt dann da der Klimawandel rein?
Der Anstieg des globalen Meeresspiegels bedroht die Riesenstädte an West- und Ostküste durch Überschwemmungen, kombiniert mit teilweise extrem starken Niederschlägen in der Regenzeit. Die klimatische Variabilität, also die ungleichmäßiger fallenden Niederschläge, führt dazu, dass in der Landwirtschaft die Problematik der Anbausicherheit verschärft wird, die Nahrungssicherheit wird zunehmend herausgefordert. Das versucht man durch Intensivierung wettzumachen. In den rasant wachsenden Städten kommt es zur Verdichtung der Bausubstanz oder den Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, wodurch ursprünglich grüner Raum verlorengeht, der auch für die Landwirtschaft genutzt wurde und den städtischen Wärmeinseleffekt abschwächt. Zusammen mit der globalen Erwärmung steigen Temperaturen in Städten noch stärker.
Urban Gardening?
Nun, dieses Konzept stammt aus Afrika. Als ich 1984 zum ersten Mal in Afrika war, fiel mir auf, wie stark in urbanen Gebieten auch Anbau betrieben wurde. Das inspirierte mich unter anderem zum Geographiestudium. Urban Gardening wurde in Afrika als Methode schon gelebt.
Und die positiven Prozesse der Umweltveränderung?
Es gibt vielfach den Versuch, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Naturschutz wird immer öfters in Gesetzen verankert, das Verständnis für Umweltschutz ist stark und wächst weiterhin. Es gibt zahlreiche lokale Bewegungen, wie zum Beispiel „Fridays for Future“ in Afrika. Und man versucht, lokales und traditionelles Wissen wieder stärker einzusetzen: Agroforstsysteme etablieren sich wieder und stabilisieren die Ökosysteme; dies wiederum stärkt die Nahrungssicherheit.
Ist der Umgang mit der Natur in Subsahara verständnisvoller als in Europa?
Einige afrikanische Philosophen diskutieren das und sehen es tatsächlich afrikaspezifisch . Ich denke, dass Menschen, die von der Natur weniger entkoppelt sind, einen anderen Zugang zur Natur haben und sich anders verhalten; das ist in Afrika mehr der Fall als in Europa. Wer in Berlin, London, Lagos oder in Nairobi wohnt, hat ein distanzierteres Verständnis von Natur. Das ist in Afrika nicht anders als bei uns, setzte aber später ein. Erinnern Sie sich noch an den so genannten Problembären, der in Südbayern umherzog? In Berlin war der Aufschrei über seinen Abschuss am größten, da konnte man in seiner Altbauwohnung herrlich entsetzt sein, während das Bauern und Hirten in Oberbayern womöglich anders sahen. Botswana etwa hat ein Elefantenproblem, eine massive Überpopulation. Die Tiere gehen in die Felder, sind aggressiv, wenn sie sich gestört fühlen. Da ist es schon komisch, wenn Menschen in Europa aufschreien, weil die botswanische Regierung sagt, sie müsse den Bestand durch Jagd kontrollieren – was sicherlich vernünftig gemanagt wird und mit wenig Korruption abläuft.
Was müssen externe Interventionen beachten?
Sie müssen viel mehr auf die Menschen vor Ort hören und es ernst nehmen. Auf lokaler Ebene sind oft alte und erfolgreiche Strategien gegen die Linderung von negativem Umweltwandel vorhanden – auch in Anpassung an die Klimavariabilität.
Welche erfolgreichen Strategien meinen Sie?
Zum Beispiel Mobilität. Mit ihr passen sich Pastoralisten an: Man wandert mit seinem Vieh, damit es überlebt. Dies ist enorm wichtig, denn es handelt sich hier nicht um bloße Subsistenz oder Prestige, sondern um die Proteinversorgung der großen Städte. Afrikanische Gesellschaften zeichnen sich durch eine hohe Mobilität zur Lebenssicherung und Abfederung unsicherer Verhältnisse aus, die gerade durch Europa beschnitten wird. Nun findet eine Migrationskontrolle statt, dabei ist die Mobilität gar nicht gen Europa gerichtet, sondern läuft in Afrika ab. Das pflanzt sich fort: Im südlichen Afrika schirmt sich mittlerweile Südafrika mit Namibia und Botswana gegen Norden ab und schränkt Mobilität ein.
Gibt es Negativbeispiele für Naturschutzprojekte aus dem Norden?
Wenn Nationalparks ausgedehnt werden, geht es mehr um die Stärkung des Tourismus und weniger um die sozialen Belange der Bevölkerung oder um Naturschutz an sich. Kritisch zu sehen sind auch die Initiativen zum Anbau von Biofuels unter dem Stichwort von Klimaschutz, dabei sind sie in Wirklichkeit eine Katastrophe. Es gab einmal eine Weltbank-Studie über angeblich ungenutztes Land in Afrika, das in Wert gesetzt werden könnte. Land aber ist immer genutzt. Eine Bevölkerung braucht auch Ausweichräume, um mobil und flexibel handeln zu können. Wenn diese dann für CO2-Kompensationspflanzungen eingesetzt werden, wird ihnen etwas weggenommen. Da werden dann zum Teil Monokulturen angepflanzt, oder schnell wachsende Bäume, die nichts bringen.
Was ist schlecht an einem schnell wachsenden Baum?
Naja, der Baum muss an die ökologischen Rahmenbedingungen angepasst sein, das ist häufig nicht der Fall. Und eine Monokultur beeinflusst die Biodiversität negativ.
Und wenn ein Kleinbauer Biofuels anbaut, verdient er damit Geld. Damit ist ihm doch auch geholfen, oder?
Wenn es sich um Kleinbäuer*innen handelt, dann schon. Aber meist sind es große Investoren. Die Kleinbäuer*innen versuchen ja doppelt zu fahren, indem sie für ihre eigene Ernährung sorgen und dann versuchen, marktorientiert Überschüsse zu generieren. Biofuels fallen aus diesem Konzept heraus.
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