Das Internationale Jahr der Landwirtin: Frauen als treibende Kraft des Wandels
Frauen produzieren einen großen Teil der weltweiten Nahrungsmittel und gestalten den Wandel von Agrar- und Ernährungssystemen entscheidend mit. Das Internationale Jahr der Landwirtin 2026 rückt ihre Rolle als Innovatorinnen, Unternehmerinnen und treibende Kräfte für klimaresiliente und nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt.
Das Internationale Jahr der Landwirtin erinnert daran, dass Frauen in den Agrar- und Ernährungssystemen zwar immer noch unverhältnismäßig stark von globalen Krisen betroffen sind, aber auch wesentliche Akteure des Wandels, der Resilienz und der Innovation sind. Die Umgestaltung der Landwirtschafts- und Ernährungssysteme steht im Mittelpunkt aller drei Rio-Konventionen: Bekämpfung des Klimawandels, Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt und Bekämpfung der Bodendegradation. Bei diesen miteinander verknüpften Herausforderungen spielen Bäuerinnen eine entscheidende Rolle - als Produzentinnen, Unternehmerinnen, Hüterinnen der biologischen Vielfalt und treibende Kräfte einer widerstandsfähigen lokalen Wirtschaft. Die Stärkung ihrer Handlungskompetenz, ihrer Führungsrolle und ihrer wirtschaftlichen Teilhabe ist daher nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung, sondern eine Voraussetzung für nachhaltige und klimaresistente Agrar- und Ernährungssysteme.
Gleichzeitig sind Frauen nach wie vor mit systemischen Barrieren konfrontiert, die ihre volle Teilhabe am landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Leben einschränken. Frauen produzieren fast die Hälfte der Nahrungsmittel der Welt, besitzen aber weniger als 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Strukturelle Hindernisse beschränken weiterhin den Zugang von Frauen zu wichtigen Technologien und Dienstleistungen. Landwirtschaftliche Betriebsmittel, Mechanisierungslösungen, arbeitssparende Geräte und Finanzprodukte sind oft nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten oder bleiben aufgrund hoher Kosten, ungeeigneter Produktgestaltung und institutioneller Hindernisse unerreichbar.
Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor weit verbreitet: Fast jede dritte Frau weltweit hat mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft erlebt. In vielen Ländern wird ein großer Teil der jungen Frauen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, was oft das Ende ihrer Ausbildung, den Beginn der Mutterschaft und eine Zunahme der Verantwortung im Haushalt bedeutet.
Laut dem Gender Snapshot Bericht von UN Women könnten bis 2030 über 350 Millionen Frauen in extremer Armut leben, und viele von ihnen werden durch die Auswirkungen des Klimawandels weiter benachteiligt werden. Bei vielen Klimamaßnahmen werden geschlechtsspezifische Aspekte immer noch unzureichend berücksichtigt, obwohl das Wissen und die Rolle der Frauen für den Aufbau klimaresistenter Agrar- und Ernährungssysteme von zentraler Bedeutung sind.
Wenn die Geschlechterfrage in politischen Strategien angesprochen wird, werden Frauen oft als Opfer des Klimawandels dargestellt und nicht als Akteure des Wandels. Viele Pläne zur Bekämpfung des Hungers betonen lediglich die Verwundbarkeit von Frauen und übersehen oft die Tatsache, dass Frauen aktiv zur Lösung der Hungerkrise beitragen könnten, wenn sie mehr Unterstützung bekämen.
Frauen sind nicht nur unverhältnismäßig stark von Krisen betroffen, sie sind auch die treibende Kraft für Veränderungen, Innovationen und Lösungen. Nach Angaben der FAO (2023) könnte der gleichberechtigte Zugang zu Ressourcen und die gleiche Entlohnung von Frauen und Männern in den Agrar- und Ernährungssystemen das globale Bruttoinlandsprodukt um etwa 1 Prozent - fast eine Billion US-Dollar – erhöhen. Gleichzeitig könnten dadurch schätzungsweise 45 Millionen Menschen aus der Ernährungsunsicherheit herauskommen. Es ist auch erwiesen, dass die Stärkung von Frauen durch geschlechtsspezifische Landwirtschaftsprogramme die Ernährung von Kindern erheblich verbessern kann.
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH trägt mit einer breiten Palette von Programmen zu den Zielen der Rio-Konventionen bei, indem sie Bäuerinnen auf individueller, organisatorischer und systemischer Ebene unterstützt. Das Engagement der GIZ steht im Einklang mit der feministischen Entwicklungspolitik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die gesellschaftliche Normen anspricht, Diskriminierung und Unterdrückung bekämpft und Frauen als wichtige Wissensträgerinnen und Entscheidungsträgerinnen in den Mittelpunkt stellt.
Die folgenden Beispiele von GIZ und Partnerorganisationen zeigen, wie Frauen den Wandel in Bereichen wie Klimaresilienz, Schutz der biologischen Vielfalt und nachhaltige Landbewirtschaftung vorantreiben. Sie zeigen, dass Investitionen in Bäuerinnen nicht nur eine Investition in Gleichberechtigung sind, sondern auch in widerstandsfähige Volkswirtschaften, nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme und langfristige Veränderungen.