Hoffnung säen – Haribatis Weg zu Selbstbestimmung und Resilienz

Im ländlichen Madhya Pradesh verändert Haribati Maravis Arbeit in Selbsthilfegruppen konkrete Machtverhältnisse in Landwirtschaft und Haushalt. Durch Trainings zu klimaresilientem Anbau, geschlechtsspezifischen Fragen und kollektiver Organisation werden Bäuerinnen zunehmend als Entscheidungsträgerinnen sichtbar.

Haribati Maravi, Expertin für Geschlechterfragen, jätet Unkraut in ihrem Küchengarten. ©

Von Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Die GIZ ist ein weltweit tätiger Dienstleister der internationalen Kooperation für nachhaltige Entwicklung. Sie hat mehr als 50 Jahre Erfahrung in unterschiedlichsten Feldern.

Alle Beiträge

Haribati Maravi, 39, lebt mit ihrer dreiköpfigen Familie im Dorf Sakri im Distrikt Mandla im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Auf einem kleinen Stück Land baut die Familie Gemüse an. Im Laufe der Jahre hat sich Haribati zu einer wichtigen Ansprechpartnerin in ihrer Gemeinde entwickelt: Sie arbeitet als Community Resource Person und als Krishi Sahyogi (landwirtschaftliche Beraterin), sitzt im Vorstand der Farmer Producer Company (FPC) in Mohgaon und engagiert sich zudem als Bezugsperson für geschlechtsspezifische Fragen.

 

Ihr Weg zur Selbstbestimmung begann 2008 mit dem Beitritt zur Nirmala Self-Help Group (SHG). Anfangs stand Haribati externen Unterstützer*innen skeptisch gegenüber. Doch durch die wöchentlichen Treffen, bei denen familiäre Herausforderungen, landwirtschaftliche Fragen und kollektive Rechte diskutiert wurden, gewann sie zunehmend Vertrauen. Ein früher Erfolg der Gruppe war die Durchsetzung ausstehender Zahlungen im Rahmen des "Mahatma Gandhi National Rural Employment Guarantee Act" (MGNREGA) sowie die Wiederaufnahme von Arbeitszuweisungen über den Dorfrat – ein prägendes Beispiel für die Stärke gemeinschaftlichen Handelns.

 

Einen entscheidenden Wendepunkt markierte die Initiative "Carbon Offsetting Rice Emissions" (CORE), die Teil des "Fund for the Promotion of Innovation in Agriculture" (i4Ag) ist. Das deutsch-indische Kooperationsprojekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beauftragt und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gemeinsam mit UN Women umgesetzt. CORE fördert klimasensible Reisanbaumethoden und verfolgt dabei einen gendertransformativen Ansatz.

 

„Wir haben verstanden, dass Geschlecht biologisch ist, Gender aber gesellschaftlich geprägt wird“, erklärt Haribati.

 

Die Veränderungen stießen jedoch nicht überall auf Zustimmung. Frauen, die ihre Unabhängigkeit einforderten, sahen sich teils mit häuslicher Gewalt konfrontiert. „Es gab Fälle, in denen wir der Polizei einschreiten lassen mussten, um gewalttätige Ehemänner zu stoppen“, berichtet sie. Haribati zog sich dennoch nicht zurück. Stattdessen organisierte sie Demonstrationen in ihrem Dorf und den umliegenden Gemeinden, um sich für Frauenrechte starkzumachen.

 

Gemeinsam mit Meena Vishwakarma von Professional Assistance for Development Action (PRADAN) führt Haribati heute Gender-Trainings für Self-Help Groups durch. Dabei werden auch sensible Themen wie Menstruation oder gesellschaftliche Normen offen angesprochen.

 

Haribati Maravi und Meena Vishwakarma, Expertinnen für Geschlechterfragen, stehen gemeinsam mit den Frauen des Dorfes Sakri im Distrikt Mandla voller Stolz für ein Gruppenfoto. ©

Das gemeinschaftliche Engagement reicht inzwischen weit über Geschlechterfragen hinaus. Die SHGs organisieren Kampagnen gegen Alkoholmissbrauch, setzen sich gegen Wasserverschmutzung ein und haben im Rahmen von MGNREGA einen gemeinschaftlichen Ernährungsgarten aufgebaut, der Anganwadis und Schulen mit Gemüse versorgt.

 

Dank der CORE-Trainings werden Frauen heute zunehmend als eigenständige Landwirtinnen anerkannt. Durch nachhaltigere Anbaumethoden konnte Haribati die Bodenqualität und die Erträge verbessern. Viele Landwirt*innen in Sakri folgen inzwischen ihrem Beispiel – und stärken damit ihre Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft für Bäuerinnen.

 

Ähnliche Beiträge

Sarah mit anderen Landwirtinnen im Abschlussworkshop. © UNYFA / dlv

Von „nur einem jungen Mädchen" zur Anführerin

Eine Geschichte aus Uganda

Als junge Vertreterin von Jugend- und Bauerninteressen im Norden Ugandas musste Sarah Awor früh gegen Vorurteile, fehlende Ressourcen und familiären Widerstand ankämpfen. Heute steht sie für eine neue Generation von Bäuerinnen, die Landwirtschaft als unternehmerischen und gemeinschaftlichen Transformationsraum begreifen.

Weiterlesen

Leidy Fierro auf ihrer Kaffeefarm in Huila, Kolumbien. © Santiago Manso

Leidy: Kaffeeproduzentin, die Chancen für Frauen und Jugendliche schafft

Eine Geschichte aus Kolumbien

Für junge Kaffeebäuerinnen wie Leidy eröffnet die Zusammenarbeit zwischen Kooperativen und Entwicklungsprojekten neue Perspektiven entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Durch die Einbindung in die Kaffeelinie „Notas de juventud“ gewinnt sie nicht nur an fachlicher Expertise, sondern auch an wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Sichtbarkeit.

Weiterlesen

Drei Bäuerinnen auf ihrem Feld nahe Mwanza, Tansania. © GIZ / Fabiana Anabel Woywod

Das Internationale Jahr der Landwirtin: Frauen als treibende Kraft des Wandels

Ein Beitrag der GIZ

Frauen produzieren einen großen Teil der weltweiten Nahrungsmittel und gestalten den Wandel von Agrar- und Ernährungssystemen entscheidend mit. Das Internationale Jahr der Landwirtin 2026 rückt ihre Rolle als Innovatorinnen, Unternehmerinnen und treibende Kräfte für klimaresiliente und nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt.

Weiterlesen

Jemimah Oronoga arbeitet auf ihrer Farm in Kakamega. © TMG

Ihr Land, ihre Rechte: Gerechtigkeit durch Digitalität

Eine Geschichte aus Kenia

Im Kakamega County in Kenia sind Landkonflikte tief im gelebten Alltag vieler Frauen eingeschrieben. Neue digitale Ansätze tragen dazu bei, bestehende Ungleichheiten zu adressieren und die Landrechte von Frauen praktisch zu stärken.

Weiterlesen

Daw Ni Ni Than erhält Fischfutter für ihren Betrieb, 2023, Myanmar. © Jue Ko Ko Thet

Vom Teich auf den Teller – wie Aquakultur Frauen in Myanmar stärkt

Eine Geschichte aus Myanmar

In den ländlichen Regionen Myanmars ist Aquakultur für viele Haushalte eine zentrale Grundlage für Ernährung und Einkommen – zugleich aber stark von Unsicherheit und hohen Kosten geprägt. Für Frauen wie Daw Ni Ni Than wird die Fischzucht zunehmend zu einem Weg aus wirtschaftlicher Abhängigkeit hin zu mehr Stabilität und Selbstbestimmung.

Weiterlesen

Ankunft der SANWFA OCEAN20 Panelteilnehmerinnen und Ausstellerinnen. © GIZ

Frauen als Hüterinnen unserer Meere

Eine Geschichte aus Südafrika

In Küstengemeinschaften sind Frauen eng mit dem Ozean verbunden – als Verarbeiterinnen, Händlerinnen und Hüterinnen lokaler ökologischer Kenntnisse. Dennoch bleiben ihre Beiträge in der Fischerei- und Meerespolitik oft unsichtbar, obwohl sie entscheidend für nachhaltige Nutzung und Schutz der Meere sind.

Weiterlesen

Die Kabaobäuerin Kristina Rampang auf ihrer farm. © Roy Prasetyo

Kristina Rampang: Mutter, Bäuerin, Stimme ihrer Gemeinschaft

Eine Geschichte aus Indonesien

Im abgelegenen Dorf Bobo in Zentral-Sulawesi hat sich Kristina Rampang vom Kleinbauernhaushalt zur anerkannten Kakaobäuerin und Gemeindeleiterin entwickelt. Durch Trainings, gemeinschaftliche Arbeitsformen und neue Anbaumethoden stärkt sie nicht nur ihren eigenen Betrieb, sondern auch die Rolle von Frauen in der lokalen Landwirtschaft.

Weiterlesen

Frau R. Chiyabi (links), eine bei COMACO registrierte Bäuerin, und eine der Frauen aus der Kooperative reinigen auf ihrem Hof einen Teil der geernteten Sojabohnen – ein Schritt hin zu größerer Ernährungssicherheit und einem höheren Einkommen. © Luke Katemba/GIZ

Resilienz im Klimawandel: Madam Racheals Weg mit Sojaanbau

Eine Geschichte aus Sambia

Im Distrikt Mumbwa hat Madam Racheal Chiyabi ihren Betrieb durch klimaangepassten Sojaanbau und Agroforstsysteme transformiert. Gleichzeitig stärkt ihre Kooperative mit gleichberechtigter Entscheidungsstruktur und Marktzugang die sozioökonomische Rolle von Kleinbäuerinnen.

Weiterlesen