Von „nur einem jungen Mädchen" zur Anführerin
Als junge Vertreterin von Jugend- und Bauerninteressen im Norden Ugandas musste Sarah Awor früh gegen Vorurteile, fehlende Ressourcen und familiären Widerstand ankämpfen. Heute steht sie für eine neue Generation von Bäuerinnen, die Landwirtschaft als unternehmerischen und gemeinschaftlichen Transformationsraum begreifen.
Mit 32 Jahren war die Bäuerin Sarah Awor bereits Jugendleiterin und bekannte Vertreterin von Jugend- und Bauerninteressen im Lira-Distrikt in Norduganda – doch ihre Rolle war mit erheblichen Hürden verbunden. Viele taten sie als „nur ein junges Mädchen" ab. Es fehlte ihr an finanziellen Mitteln, an Räumlichkeiten für Treffen und an zuverlässigen Transportmöglichkeiten, um die Gemeinden zu erreichen. Ihre Familie zweifelte an ihr, und es war schwer, häusliche Pflichten mit dem Einsatz für die Gemeinschaft zu vereinbaren.
„Es war eine Herausforderung, meine Familie – vor allem meinen Mann – dazu zu bringen, meine Rolle als Leiterin zu akzeptieren. Es gab vieles, was ich nicht tun konnte, weil meine Familie an der ganzen Sache zweifelte."
Damals bewirtschaftete Sarah gerade einmal einen Hektar Land – was es schwer machte, andere davon zu überzeugen, dass Landwirtschaft ein Weg zum Erfolg sein kann. Die Jugendgruppen, die sie zu mobilisieren versuchte, waren entmutigt: kein Geld, kein Land, volatile Märkte und das weitverbreitete Vorurteil, dass Landwirtschaft kein ernsthafter Lebensunterhalt sei.
Im Rahmen des Globalen Programms zur Stärkung von Bauernorganisationen für eine nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung ist die dlv-LandFrauen gGmbH in Ghana und Uganda aktiv, um Frauen im ländlichen Raum gezielt zu unterstützen. Seit 2017 ist die dlv-LandFrauen gGmbH die internationale Abteilung des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv), der sich seit über 75 Jahren für die wirtschaftliche, soziale und politische Stärkung von Frauen im ländlichen Raum einsetzt.
Nach dem Prinzip „Von Landfrauen – für Landfrauen" schlug die dlv-LandFrauen gGmbH eine Brücke zwischen lokalen Realitäten und globalen Lösungen – und förderte solidarisches Lernen über nationale Grenzen hinweg. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerinnen entstanden Netzwerke, in denen Frauen nicht nur auf ihre Anliegen aufmerksam machten, sondern aktiv Verantwortung übernahmen und gemeinsam Wege fanden, nachhaltigen Wandel in ihren Gemeinschaften voranzutreiben.
Die dlv-LandFrauen gGmbH unterstützte ugandische Landfrauen dabei, Führungsrollen zu übernehmen und ihre Netzwerke auszubauen. Die Teilnehmerinnen konnten an Austauschprogrammen und Schulungen in Deutschland teilnehmen, wo sie lernten, ihre Organisationen weiterzuentwickeln, ihre Interessen zu vertreten und Verantwortung zu übernehmen. Bei Hofbesuchen gewannen sie zudem Einblicke in Tierhaltung und landwirtschaftliche Methoden in Deutschland – Wissen, das sie anschließend in Uganda in die Praxis umsetzten und innerhalb ihrer Frauenorganisationen weitergaben, um andere Bäuerinnen und ihre Gemeinschaften zu stärken.
Für Sarah als junge Frau für das internationale Programm ausgewählt zu werden, stärkte ihr Selbstvertrauen und ihre persönliche Entwicklung spürbar. Die Studienreise nach Deutschland weitete ihren Horizont und gab ihr den Mut, ihre Ideen tatkräftig umzusetzen.
Zurück in Uganda startete sie ihre Transferinitiative: Sie wollte Frauen und junge Menschen ermutigen, sich in der Landwirtschaft und im Umweltschutz zu engagieren. Sie organisierte vier Jugendgruppen mit über 600 registrierten Mitgliedern, schulte sie im Umgang mit zertifiziertem Saatgut, zeigte ihnen, wie sie ihre Ernte besser lagern und verarbeiten können, und legte Baumschulen an – die nicht nur Einkommen generieren, sondern auch zur Wiederaufforstung der Region beitragen.
Was aus diesem Engagement erwuchs, lässt sich sehen: Sarah erweiterte ihre Anbaufläche von einem auf sechs Hektar und steigerte sowohl ihr Einkommen als auch ihre Ersparnisse. Ihre Führungsqualitäten werden heute weit über die Region hinaus anerkannt – sie arbeitet mit Distriktbehörden, nationalen Organisationen wie UNYFA und internationalen Partnern zusammen. Die Frauen in ihren Jugendgruppen haben ihre Einstellung zur Landwirtschaft grundlegend verändert und sehen sich heute als Unternehmerinnen – mit eigenen Spargemeinschaften als finanzieller Grundlage.
„Wenn du die Chance hast, etwas zu tun, gib alles – und wenn es gelingt, hilf anderen", sagt Sarah.
Ihre Geschichte beweist: Wenn jungen Frauen Vertrauen und Unterstützung entgegengebracht werden, können sie Bedeutendes bewegen.