Frauen als Hüterinnen unserer Meere
In Küstengemeinschaften sind Frauen eng mit dem Ozean verbunden – als Verarbeiterinnen, Händlerinnen und Hüterinnen lokaler ökologischer Kenntnisse. Dennoch bleiben ihre Beiträge in der Fischerei- und Meerespolitik oft unsichtbar, obwohl sie entscheidend für nachhaltige Nutzung und Schutz der Meere sind.
Unser Ozean ist für Milliarden von Menschen weltweit eine lebensnotwendige Ressource: Er liefert nährstoffreiche aquatische Nahrungsmittel und sichert die Lebensgrundlagen gefährdeter Küstengemeinden. Doch dieses gewaltige Ökosystem ist massiv bedroht. Überfischung, Umweltverschmutzung und der Klimawandel treiben die marine Artenvielfalt an den Rand des Zusammenbruchs. Eine nachhaltige Nutzung und der Schutz der Meeresressourcen sind dringend notwendig.
Frauen in kleinen Fischereigemeinden sind zentrale Akteurinnen in dieser Herausforderung – sie stehen an vorderster Front beim der Organisation mariner Schutzgebiete, tragen unschätzbares ökologisches Wissen in sich und sind überzeugte Hüterinnen des Meeresschutzes. Sie leben nah am Ozean, sie nutzen ihn und sorgen für ihn. Sie schützen ihn – und sind zugleich direkt und indirekt auf ihn angewiesen. Frauen stellen fast die Hälfte der Beschäftigten im Fischereisektor, vor allem in der kleinbetrieblichen Erstverarbeitung und Vermarktung auf Haushaltsebene. Dennoch werden ihre Rolle und ihr Beitrag häufig unterschätzt und nicht ausreichend anerkannt. Wie in vielen Teilen der Welt werden sie durch gesellschaftliche Geschlechternormen eingeschränkt, die ihr unternehmerisches Engagement sowie den Zugang zu Ausbildung, Netzwerken und Krediten begrenzen. In über 80 Prozent der kleinen Fischereibetriebe sind Frauen kaum oder gar nicht an Managemententscheidungen beteiligt.
Genau deshalb setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH auf globaler, regionaler und lokaler Ebene für die Stärkung von Frauen in der Kleinfischerei ein. Das Globale Programm „Nachhaltige Aquatische Lebensmittel" (SAF) wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beauftragt und von der Europäischen Union kofinanziert. Es stärkt die politische Stimme von Frauen in institutionellen Plattformen und baut ihre Kapazitäten aus – um ihre internen Organisations- und Lobbystrukturen zu verbessern und ihre Einbindung in Entscheidungsprozesse zu stärken. Im Rahmen dieser Mission unterstützt das Programm das South African Network for Women in the Fisheries and Aquaculture Sector (SANWFA). Das Netzwerk nahm 2025 am G20 Ocean Summit in Kapstadt teil und setzte sich dort für höhere Ambitionen sowie eine bessere technische und finanzielle Förderung von Frauen in der Fischverarbeitung und verbesserte Marktzugangsbedingungen ein.
Die Einbeziehung von Frauen in politische Debatten und Entscheidungsprozesse macht ihre wertvollen Beiträge zur nachhaltigen Meeresgovernance sichtbar – und treibt eine fortschrittliche Politikentwicklung voran. Die Stärkung der Rolle von Frauen in Küstengemeinden ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit: Sie ist ein Grundpfeiler für wirksamen Schutz der marinen Biodiversität und resiliente Ernährungssysteme.