Vom Teich auf den Teller – wie Aquakultur Frauen in Myanmar stärkt

In den ländlichen Regionen Myanmars ist Aquakultur für viele Haushalte eine zentrale Grundlage für Ernährung und Einkommen – zugleich aber stark von Unsicherheit und hohen Kosten geprägt. Für Frauen wie Daw Ni Ni Than wird die Fischzucht zunehmend zu einem Weg aus wirtschaftlicher Abhängigkeit hin zu mehr Stabilität und Selbstbestimmung.

Noch bevor die Sonne über dem Horizont des Rakhaing-Staates aufgeht, steht Daw Ni Ni Than bereits an ihrem Fischteich. Im stillen Morgennebel prüft sie die Wasserqualität und bereitet das Futter von Hand zu. Als Mutter von drei Kindern und Großmutter ist sie die Hauptversorgerin ihrer Familie. Viele Jahre lang kämpfte sie mit niedrigen Erträgen, hohen Kosten und mangelnder fachlicher Ausbildung. Das Leben in einem von Konflikten geprägten Gebiet machte die Landwirtschaft zusätzlich schwer.

 

„Es gab Momente, in denen ich aufgeben wollte", sagt sie. „Jede schlechte Ernte ließ mich das Gefühl haben, meine Familie im Stich zu lassen."

 

Ein Großteil der Bevölkerung Myanmars lebt von der Subsistenzlandwirtschaft und ist durch saisonale und strukturelle Bedingungen mit einer unsicheren Nahrungsversorgung konfrontiert. Jeder sechste Haushalt ist von Ernährungsunsicherheit betroffen – sowohl hinsichtlich der Menge als auch der Qualität der Nahrung. Besonders Frauen in ländlichen Gebieten erleben einen stetigen Rückgang ihres Einkommens. Angesichts schrumpfender Haushaltseinkommen berichten Frauen davon, Mahlzeiten auszulassen, Kredite aufzunehmen und alles Wertvolle zu verkaufen, nur um über die Runden zu kommen.

 

Aquakultur bietet eine wichtige Quelle nährstoffreicher aquatischer Lebensmittel wie Fisch und eröffnet Frauen in Myanmar echte Chancen auf wirtschaftliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Doch der Sektor stand vor erheblichen Herausforderungen: Als lokale Fischbrutanstalten schlossen, mussten Jungfische aus weiter Entfernung transportiert werden – viele überlebten den Weg nicht. Mit instabilem Einkommen und hohen Produktionskosten blieb Ernährungssicherheit ein fernes Ziel.

 

Das änderte sich, als Daw Ni Ni Than am Projekt „Ernährungs- und Nahrungsmittelsicherheit – Rakhaing" (FNS-R) teilnahm. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt. Es zielt darauf ab, die Ernährungsgewohnheiten und Hygienestandards in Gemeinden in Myanmar zu verbessern, und begegnet den vielschichtigen Ursachen von Mangelernährung durch die Priorisierung der Bedürfnisse von Frauen, die Förderung von Klimabewusstsein und mehrdimensionale Ansätze. Zu den Maßnahmen gehören der Kapazitätsaufbau für Kleinbäuerinnen und -bauern in der Fischzucht und -verarbeitung, die Verbesserung von Nacherntetechniken sowie die Umsetzung von Klimaanpassungsstrategien und Katastrophenrisikomanagementsystemen.

 

Mit Unterstützung bei der Renovierung ihres Teiches, neuer Ausrüstung und praxisnaher Schulungen lernte sie, die Wasserqualität zu überwachen, Krankheiten vorzubeugen und Jungfische lokal zu produzieren. „Jeden Morgen prüfe ich die Wasserqualität und füttere die Fische selbst", erzählt sie. „Diese Teiche sind meine Verantwortung und mein ganzer Stolz."

 

Nach sieben Monaten zahlte sich ihre harte Arbeit aus. Ihre Ernte stieg von 192 auf 980 Kilogramm, ihr Einkommen verdoppelte sich auf 6,8 Millionen MMK. Das ermöglichte ihrer Familie eine bessere Ernährung, den Schulbesuch ihrer Kinder – und die Möglichkeit, weiter in ihr Unternehmen zu investieren.

 

„Als die Fische stark wurden, wusste ich, dass Hunger unser Leben nicht länger bestimmen würde", sagt sie. „Wir hatten Essen – und wir hatten Hoffnung."

 

Heute ist sie eine der wenigen lokalen Jungfischproduzentinnen in ihrem Dorf. Sie schult und berät andere Bäuerinnen, hilft ihnen, ihre Lebensgrundlage zu verbessern und Selbstvertrauen zu gewinnen. Indem sie ihr Wissen weitergibt, stärkt sie lokale Ernährungssysteme und verringert die Abhängigkeit von externen Lieferanten. „Ich möchte, dass andere Frauen an sich glauben", sagt sie. „Wenn ich das geschafft habe, können sie es auch. Wenn du einen Traum hast, lerne immer weiter und hör nie auf, dafür zu arbeiten. Unsere Zukunft liegt in unseren Händen."