Von der Idee zur Schulmahlzeit: Gabrielas Erfolgsgeschichte
Gabriela Moyon glaubte jahrelang, dass öffentliche Aufträge für sie unerreichbar seien. Im März 2026 gewann sie ihren ersten Auftrag. Sie ist eine von vielen Frauen in Ecuador, deren Unternehmen sich durch ein vierjähriges Projekt verändert hat, das Frauen den Zugang zum öffentlichen Beschaffungsmarkt erleichtert.
Gabriela Moyon beteiligte sich zum ersten Mal in ihrem Leben an einer öffentlichen Ausschreibung – und gewann im März 2026 den Zuschlag. In den kommenden zwei Jahren wird sie das ecuadorianische Bildungsministerium mit Schulmahlzeiten beliefern. In ihrer Küche in Quito bereitet sie Quinoa-Burger und pflanzliche Sandwiches zu. Für einen kleinen Betrieb bietet ein zweijähriger staatlicher Liefervertrag mehr Sicherheit als der freie Markt: Der Auftraggeber steht fest, der Preis ist vereinbart und die Einnahmen sind planbar.
Zuvor gehörte Gabriela jedoch zu den Tausenden von Frauen, denen der Zugang zu diesem Markt verschlossen blieb. „Früher dachte ich, dass es sehr schwierig und teuer sei, einen öffentlichen Auftrag zu gewinnen, und dass man dafür gute Beziehungen brauche“, sagt sie. „Ich wusste nicht, wie ich die SERCOP-Plattform (The Servicio Nacional de Contratación Pública, zu deutsch: Nationaler Behörde für öffentliche Beschaffung) nutzen sollte oder wie das System funktioniert.“
Genau diese Hürden wollte das Projekt SheTrades Gender-Responsive Public Procurement (GRPP) abbauen. Ziel des Projekts ist es, innovative Lösungen zu entwickeln, damit Frauen in den landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten Ecuadors besser von öffentlichen Beschaffungsmöglichkeiten profitieren können. Die Initiative des International Trade Centre (ITC) wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Rahmen des Fonds iA4g unterstützt.
Innerhalb von vier Jahren nahmen 3.108 Frauen an insgesamt 72 Schulungen in 33 Städten und 16 Provinzen teil. Das Projekt arbeitete dabei mit Partnern zusammen, die in den jeweiligen Regionen bereits etabliert und vertrauenswürdig waren – darunter Provinzregierungen, Ministerien und Netzwerke von Genossenschaften. Außerdem wurde der Leitfaden Vende al Estado: Pasos Claves para Mujeres en la Agricultura („An den Staat verkaufen: Wichtige Schritte für Frauen in der Landwirtschaft“) auf Spanisch sowie in den indigenen Sprachen Kichwa und Shuar veröffentlicht.
„Eine klare rechtliche Definition eines von Frauen geführten Unternehmens schafft einen einheitlichen Standard für Institutionen und macht Fortschritte messbar“, erklärt Linda Marisol Cruz vom ecuadorianischen Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei. „Aus unserer Arbeit mit Frauen im ländlichen Ecuador wissen wir jedoch, dass eine Definition allein nicht ausreicht. Erst Schulungen, technische Unterstützung und der Zugang zu Informationen machen aus einer Anerkennung auf dem Papier echte Chancen.“
Für Gabriela ist das eine Erfahrung, die sie heute an andere Frauen weitergibt.
„Alles beginnt damit, an sich selbst zu glauben. Wenn ich es geschafft habe, dann könnt ihr das auch. Lasst uns weiter lernen, Schulungen nutzen, um Hilfe bitten und daran denken, dass wir gemeinsam erfolgreich sein können.“
In Zusammenarbeit mit der GIZ wird der in Ecuador entwickelte Ansatz inzwischen auf Bauernorganisationen in Afrika und Asien ausgeweitet. Statt direkt mit einzelnen Frauen zu arbeiten, setzt das Vorhaben auf Organisationen, die bereits eng mit Frauen in der Landwirtschaft und im Ernährungssektor vernetzt sind. Das GIZ-Globalvorhaben Farmers Organisations for the Transformation of Agricultural and Food Systems (FO-Hub) arbeitet dabei mit der Eastern African Farmers Federation (EAFF), dem Réseau des Organisations Paysannes et de Producteurs Agricoles de l’Afrique de l’Ouest (ROPPA) sowie der Asian Farmers' Association for Sustainable Rural Development (AFA) zusammen. Ziel ist es, die positiven Erfahrungen aus Ecuador mit einer geschlechtergerechten öffentlichen Beschaffung auf viele weitere Bäuerinnen und Bauern zu übertragen.