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Beim diesjährigen Partners for Change (P4C) Netzwerktreffen im Juni in Berlin kamen Akteure aus mehr als 40 Ländern zusammen, um die Ergebnisse einer 18-monatigen Zusammenarbeit im Netzwerk zu bündeln und eine gemeinsame Advocacy-Agenda für die Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme zu entwickeln. Diskutiert wurden Botschaften zu Inklusion, Governance, Finanzierung, Evidenz und ländergeführter Umsetzung – und die Frage, wie daraus konkrete politische Wirkung entstehen kann.
In den vergangenen 18 Monaten hat das Partners for Change (P4C) Netzwerk des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Vertreter*innen aus Regierungen, Zivilgesellschaft, Bauernverbänden, Forschung und Privatsektor sowie Entwicklungspartner aus Afrika und anderen Regionen zusammengebracht, um einer zentralen Frage nachzugehen: Was macht Strukturen in Agrar- und Ernährungssystemen funktionsfähig?
In einer Reihe thematischer Workshops zu Bodengesundheit, Agrarfinanzierung, Land Governance, geschlechtertransformativem Ansatz, Ernährung und mehr untersuchten Teilnehmende aus Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika die strukturellen Hindernisse für die Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme und entwickelten praxisnahe Lösungsansätze. Anfang 2026 wurden die Diskussionen in einem P4C-Synthesepapier zusammengeführt.
Das P4C-Netzwerktreffen im Juni 2026 in Berlin bildete den Abschluss des Prozesses. Im Mittelpunkt stand der Schritt von der Entwicklung von Lösungsansätzen hin zu einer gemeinsamen Agenda für die politische Interessenvertretung. Dazu erarbeiteten die Teilnehmenden die zentralen Botschaften des P4C-Synthesepapiers heraus. Sie diskutierten zudem, welche politischen Prozesse und Entscheidungsträger*innen sie auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene erreichen wollen. Dabei kristallisierten sich fünf Botschaften heraus.
Zugleich wurde deutlich, dass unterschiedliche Interessen und länderspezifische Rahmenbedingungen zu Zielkonflikten und Spannungen führen können. Ziel war daher nicht, diese Unterschiede zu beseitigen. Vielmehr ging es darum, mit ihnen umzugehen und sie durch inklusive und kontextspezifische Entscheidungsprozesse abzumildern.
Die Transformation der Ernährungssysteme muss rechtebasiert, inklusiv und lokal verankert sein
Das P4C Netzwerk betonte, dass die Transformation einen menschenrechtsbasierten Ansatz erfordert. Dabei muss das Recht auf Nahrung anerkannt und über reine Konsultationen hin zu einer gemeinsamen Entwicklung von Lösungen hinausgegangen werden. Bauern- und Landwirtschaftsverbände, Frauen, junge Menschen, lokale Gemeinschaften und andere marginalisierte Gruppen sollten als gleichberechtigte Partner an der Gestaltung, Umsetzung und Überwachung von politischen Maßnahmen beteiligt sein. Die Verbindung von lokalem Wissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen kann die Eigenverantwortung stärken und dazu beitragen, dass politische Maßnahmen die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen. Dafür braucht es Institutionen und Entscheidungsprozesse, die betroffenen Gruppen eine echte Mitsprache ermöglichen, anstatt Beteiligung auf eine einmalige Konsultation zu beschränken.
Eine bessere Governance ist die Grundlage für funktionierende Ernährungssysteme
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass fragmentierte Institutionen und unzureichend abgestimmte politische Maßnahmen die Transformation der Ernährungssysteme weiterhin bremsen. Eine bessere Governance ist notwendig, um die Bereiche Landwirtschaft, Klima, Ernährung und Biodiversität stärker miteinander zu verknüpfen und die Zusammenarbeit zwischen Institutionen und verschiedenen staatlichen Ebenen zu verbessern. Ob bei der Umsetzung des Comprehensive Africa Agriculture Development Programme (CAADP) in Afrika oder bei anderen globalen Prozessen zur Transformation der Ernährungssysteme, die Schlussfolgerung war dieselbe: Die Länder brauchen leistungsfähigere Institutionen, die Akteure zusammenbringen, Planung, Mobilisierung von Ressourcen und Umsetzung koordinieren und zugleich für Rechenschaftspflicht sorgen. Daher lag der Fokus der Diskussion darauf, die Institutionen zu stärken, die für eine wirksame Umsetzung bestehender Zusagen notwendig sind, anstatt lediglich neue Zusagen zu formulieren. Entscheidend sind Governance-Strukturen, die eine wirksame und transformative Umsetzung ermöglichen.
Von der Finanzierung von Projekten zur Finanzierung von Transformation
Die Transformation der Ernährungssysteme erfordert Finanzierungsansätze, die Systeme stärken, anstatt isolierte Projekte zu unterstützen. Während des gesamten Treffens betonten die Teilnehmenden die Notwendigkeit, Mischfinanzierungen (Blended Finance) auszuweiten, den Zugang zu Klimafinanzierung für die Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme zu verbessern, die Fähigkeit von Regierungen zur Mobilisierung öffentlicher und privater Investitionen zu stärken und tragfähige Investitionsmöglichkeiten zu entwickeln, die öffentliches und privates Kapital anziehen.
Die Diskussionen bekräftigten eine übergeordnete Botschaft: Investitionen in Ernährungssysteme sind Investitionen in Resilienz.
In den Diskussionen über Klima, Fragilität und Ernährungssicherheit betonten die Teilnehmenden, dass resiliente Ernährungssysteme Lebensgrundlagen stärken, Vulnerabilitäten reduzieren und zum sozialen Zusammenhalt beitragen. Daher erfordert die Verankerung von Ernährung im Zentrum von Friedens- und Resilienzbestrebungen integrierte Ansätze, die humanitäres Handeln, nachhaltige Entwicklung und den Aufbau von Institutionen miteinander verbinden.
Bessere Evidenz für bessere Entscheidungen
Die Teilnehmenden forderten stärkere nationale Datensysteme, harmonisierte Indikatoren und eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschung, Politik und Praxis. Eine bessere Evidenzgrundlage kann Regierungen dabei unterstützen, Prioritäten zu setzen, knappe Ressourcen gezielt einzusetzen, Investitionen anzuziehen, Rechenschaftspflicht zu stärken und den Wissensaustausch zwischen Ländern zu ermöglichen. Der Aufbau einer Kultur evidenzbasierter Entscheidungsfindung wird entscheidend sein, um Politiken zu entwickeln, die sich an veränderte Realitäten anpassen und messbare Wirkung erzielen.
Von globalen Verpflichtungen zur ländergeführten Umsetzung
Die zentrale Botschaft aus Berlin war eindeutig: Die Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme findet auf lokaler Ebene statt. Globale Rahmenwerke können die strategische Richtung vorgeben, doch jedes Land muss diese in national verantwortete Prioritäten, Partnerschaften und Maßnahmen auf nationaler und subnationaler Ebene übersetzen.
Während des Treffens entwickelten die Länderdelegationen politische Schwerpunktsetzungen für die Interessenvertretung sowie Wege zur Umsetzung, die ihre jeweiligen politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Realitäten widerspiegelten. Auch wenn sich diese von Land zu Land unterschieden, liefen alle Pläne auf die Themen Governance, Inklusion, Finanzierung und Evidenz hinaus. Die Teilnehmenden hoben nationale Multi-Akteurs-Plattformen als zentrale Mechanismen hervor, um Forschung, Politik, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft miteinander zu verbinden und sicherzustellen, dass globale Verpflichtungen zu konkreten lokalen Wirkungen führen. Ihr Wert hängt jedoch davon ab, ob sie tatsächliche Entscheidungen und die Umsetzung beeinflussen, anstatt zusätzliche Koordinierungsstrukturen zu schaffen.
Das P4C-Netzwerktreffen schloss mit einer gemeinsamen Reihe von Advocacy-Empfehlungen, die die P4C-Mitglieder und Partner an relevante politische Prozesse anpassen können. Auf globaler Ebene können diese Botschaften in die Zusammenarbeit mit dem United Nations Food Systems Summit (UNFSS), dem Welternährungsausschuss (CFS), internationalen Klimaverhandlungen und anderen globalen Prozessen zu Ernährungssystemen einfließen. Auf kontinentaler und regionaler Ebene können sie den Dialog mit der Afrikanischen Union, den Regional Economic Communities und Partnerplattformen zur Umsetzung des CAADP Kampala unterstützen. Die Länderreflexionen bieten zudem eine Grundlage für den weiteren Dialog mit nationalen Entscheidungsträger*innen. Mitglieder und Partner können die Botschaften an nationale Prioritäten anpassen, während gewonnene Erkenntnisse aus der Umsetzung in die regionale und globale Advocacy-Arbeit zurückfließen können.
Das Berliner Treffen markierte den Abschluss von 18 Monaten des Dialogs und der gemeinsamen Reflexion über Länder- und Sektorengrenzen hinweg. P4C hat einen Raum geschaffen, in dem Entscheidungsträger*innen aus Politik und Umsetzung miteinander verbunden wurden und ein gemeinsames Verständnis funktionierender Agrar- und Ernährungssysteme entwickeln konnten. Die im Rahmen dieses Prozesses entstandenen Beziehungen und Advocacy-Prioritäten können nun in die Partnerschaften und politische Zusammenarbeit der Mitglieder eingebracht werden.
Mehr Informationen zum P4C Netzwerk und zum P4C Synthesepapier.