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Frauen in der Landwirtschaft in Mali stehen vor zahlreichen Herausforderungen gleichzeitig. Der Klimawandel führt zu zunehmender Bodendegradierung, während Konflikte Menschen dazu zwingen, ihre Lebensgrundlagen zurückzulassen. Gleichzeitig produzieren Frauen weiterhin Nahrungsmittel und tragen zu Frieden und gemeinschaftlicher Entwicklung bei. Wir haben mit Fatoumata Goundou Sissoko, Präsidentin des Réseau des Femmes pour les Droits Environnementaux (REFEDE Mali, deutsch: Netzwerk der Frauen für Umweltrechte), darüber gesprochen, was Resilienz für Frauen in Mali bedeutet, mit welchen Hindernissen sie in der Landwirtschaft konfrontiert sind und warum Frauen im Zentrum von Entscheidungen über die Zukunft der Ernährungssysteme stehen müssen.
Wenn Sie an die landwirtschaftlichen Gemeinschaften denken, mit denen Sie in Mali arbeiten: Wie sieht Resilienz für sie aus?
Fatoumata Goundou Sissoko: Die Resilienz von Gemeinschaften, und insbesondere von Frauen, zeigt sich daran, dass sie weiterhin produzieren, ihre Familien ernähren und sich für Frieden und die Entwicklung ihrer Gemeinschaft einsetzen. Und das trotz Sicherheitsproblemen, dem Klimawandel und wirtschaftlicher Schwierigkeiten.
Frauen stehen angesichts dieser Herausforderungen nicht nur an vorderster Front, sondern sind auch diejenigen, die viele Lösungen vorantreiben.
Was sind derzeit die größten Herausforderungen, die Frauen daran hindern, umfassend zu resilienten Ernährungssystemen in Mali beizutragen?
Ein grundlegendes Problem ist der Zugang zu Land, insbesondere aufgrund von lokalen Traditionen und Bräuchen. In ländlichen Regionen besteht nach wie vor die Vorstellung, dass einer Frau kein Land übertragen werden sollte, da sie später heiraten und Teil einer anderen Familie werden könnte. Wenn sie Land ihrer Familie besitzt, besteht die Sorge, dass dieses Land dadurch in eine andere Familie übergeht. Doch allmählich verändert sich die Situation. Das malische Landwirtschaftsrecht sieht vor, dass ein Teil der erschlossenen landwirtschaftlichen Flächen an Frauen vergeben wird.
Notiz der Redaktion: Nach dem 2017 verabschiedeten malischen Gesetz über landwirtschaftliche Flächen müssen mindestens 15 Prozent der vom Staat oder von lokalen Gebietskörperschaften erschlossenen landwirtschaftlichen Flächen an Gruppen und Vereinigungen von Frauen und Jugendlichen vergeben werden.
Und sieht die Situation in städtischen Gebieten anders aus?
Ja, denn wenn Frauen in städtischen Gebieten über ein ausreichendes Einkommen verfügen, können sie Land kaufen und dort arbeiten. In ländlichen Regionen fehlen Frauen dagegen häufig die finanziellen Mittel oder der Zugang zu Finanzierungen, um Land für die landwirtschaftliche Produktion zu erwerben. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit Dorfvorstehern und lokalen Behörden daran, Frauen durch gemeinsame Abstimmungen Zugang zu Land zu ermöglichen. Anstatt einzelne Parzellen an einzelne Personen zu vergeben, können sich Frauen in Kooperativen oder Gruppen zusammenschließen. Das Land wird dann mit einem offiziellen Verwaltungsdokument ihrer Organisation zugewiesen, sodass es ihnen nicht einfach wieder entzogen werden kann, nachdem sie dort investiert haben.
Neben dem Zugang zu Land, vor welchen weiteren Herausforderungen stehen Frauen neben in Mali?
Frauen besitzen nur begrenzten Zugang zu Schulungen und Innovationen sowie zu Finanzierung und Beteiligung an Entscheidungsprozessen. In ländlichen Gebieten gehen Jungen nach wie vor häufiger zur Schule, während Frauen oft weniger Bildungschancen haben. Sie tragen einen großen Teil der Hausarbeit und heiraten häufig sehr jung. Dadurch haben sie nicht immer die Möglichkeit, die Kompetenzen zu entwickeln, um sich an Entscheidungsgremien zu beteiligen und ihre eigenen Anliegen und Bedürfnisse zu vertreten.
Der Klimawandel ist eine weitere große Herausforderung. Wir erleben eine zunehmende Degradierung der Böden, während natürliche Ressourcen, insbesondere Wasser, immer knapper werden. Dabei ist Wasser für die landwirtschaftliche Produktion unerlässlich.
Und speziell in Mali kommt die schwierige Sicherheitslage hinzu. Unsicherheit zwingt Menschen häufig dazu, von einem Gebiet in ein anderes zu ziehen. Wenn man seine Gemeinschaft verlässt, lässt man auch seine Produktionsmittel und seine Lebensgrundlagen zurück. Man muss sich an einem anderen Ort ein neues Leben aufbauen. Dafür sind erhebliche Unterstützung und finanzielle Mittel erforderlich. Die Menschen brauchen Möglichkeiten, um einkommensschaffende Aktivitäten aufzunehmen, ihre Familien zu versorgen und sicherzustellen, dass ihre Kinder weiterhin zur Schule gehen können.
Hinzu kommen Analphabetismus und der eingeschränkte Zugang zu digitalen Technologien. In der heutigen Welt müssen Frauen diese Instrumente nutzen können, um Zugang zu Informationen und Märkten zu erhalten. All dies sind Herausforderungen, mit denen Frauen in ländlichen Gebieten konfrontiert sind.
Und welche dieser Herausforderungen empfinden Sie für Frauen derzeit als besonders drängend?
Das ist schwer zu beantworten, denn der Klimawandel ist heute eine große Herausforderung. Alle Produktionsfaktoren hängen damit zusammen, ,denn der Klimawandel beeinflusst fast alles, was wir tun. Und dann ist da noch die Sicherheitslage. Das sind zwei der größten Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind.
Können Sie ein Beispiel für eine Initiative nennen, die bereits einen konkreten Unterschied für Frauen und ländliche Gemeinschaften gemacht hat?
Ja. Wir haben ein Projekt entwickelt, das die Resilienz von Gemeinschaften in Djenné, Mopti und im Distrikt Bamako angesichts des Klimawandels stärken soll. Einer unserer Schwerpunkte war die **Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen**. Sie kann neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen, die Resilienz von Gemeinschaften stärken und die Beteiligung von Frauen an gemeinschaftlichen und solidarischen Initiativen erhöhen. Zu dieser Zeit wurde Malis nationale Strategie zur Katastrophenvorsorge überarbeitet. Wir haben diese Gelegenheit genutzt, um uns dafür einzusetzen, dass Genderfragen in die Strategie aufgenommen werden. Dazu brachten wir technische und finanzielle Partner, staatliche Institutionen, NGOs sowie Frauen- und Jugendorganisationen in Konsultationsworkshops zusammen.
Und war diese Advocacy-Arbeit erfolgreich?
Ja. Die Anliegen von Frauen wurden in das nationale Dokument aufgenommen. Ähnliche Prozesse wurden in Mopti und Djenné durchgeführt, damit die Perspektiven verschiedener Akteure in strategischen Politiken auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene berücksichtigt werden konnten. Der zweite Teil des Projekts konzentrierte sich auf **einkommensschaffende Aktivitäten** und unterstützte junge Menschen in Zentralmali, deren Lebensgrundlagen von Unsicherheit und Klimawandel betroffen sind. Wir stellten Ausrüstung und Startkapital für Aktivitäten wie Gemüseanbau, Geflügelhaltung und Fischzucht zur Verfügung. Ergänzend wurde ein Mentoring-System eingerichtet, um die Teilnehmenden auch über das Projektende hinaus zu unterstützen.
Welche Botschaft möchten Sie politischen Entscheidungsträger*innen aus den Erfahrungen von Frauen in der Landwirtschaft in Mali mitgeben?
Meine Botschaft an die Entscheidungsträger*innen ist: Frauen in der Landwirtschaft sind nicht nur Begünstigte. Sie sind diejenigen, die Lösungen vorantreiben. Ihr lokales Wissen muss wertgeschätzt werden, und Frauen müssen die Möglichkeit haben, bestehende Finanzierungsmechanismen selbst zu nutzen und mitzugestalten. Lokale Behörden sollten die Resilienz von Frauen und die Transformation der Ernährungssysteme in ihre Entwicklungspläne integrieren, denn Frauen stehen am Anfang und am Ende des Ernährungssystems.
Sie müssen im Zentrum von Entscheidungen und Strategien stehen, sei es auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene.
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