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Wenn über (Klima-)Resilienz gesprochen wird, geht es häufig um Technologien, Finanzierung oder neue landwirtschaftliche Praktiken. Für Irish Baguilat, Koordinatorin für nachhaltige Landwirtschaft und die „Women Farmers’ Agenda“ bei der Asian Farmers’ Association for Sustainable Rural Development (AFA), beginnt Resilienz jedoch mit dem Zusammenspiel von Familien und Gemeinschaften.
Irish, Sie arbeiten eng mit landwirtschaftlichen Gemeinschaften in ganz Asien zusammen. Was bedeutet Klimaresilienz aus ihrer Perspektive?
Irish Baguilat: Diese Frage haben wir kürzlich auch unseren AFA-Mitgliedern während unserer Generalversammlung gestellt. Sie haben Resilienz dabei aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Auf Ebene der Landwirt*innen geht es vor allem darum, den Familienbetrieb resilient aufzustellen. Landwirtschaft wird von der gesamten Familie getragen. Auch Familienmitglieder, die außerhalb der Landwirtschaft arbeiten, können dazu beitragen, indem sie in den Familienbetrieb investieren.
Auf Ebene des Familienbetriebs bedeutet Resilienz vor allem Vielfalt. Neben einer Hauptkultur, die das Einkommen sichert, braucht es weitere Kulturen oder Nutztiere. Kommt es zu einem Schädlingsbefall, einem Marktschock oder einem Extremwetterereignis, kann die Familie so weiterhin Nahrungsmittel produzieren und ihre Ernährung sichern. Ein diversifizierter Betrieb ermöglicht es außerdem, Einkommen zu erwirtschaften, Rücklagen zu bilden und zu investieren. Gerade angesichts zunehmender Unsicherheiten helfen solche Rücklagen Familien dabei, Krisen besser zu bewältigen und sich anschließend wieder zu erholen.
Und schließlich bedeutet Resilienz auch, Teil einer Kooperative oder Bauernorganisation zu sein. Sie ermöglichen Landwirt*innen Zugang zu Angeboten und Ressourcen, die ihnen allein oft nicht zur Verfügung stehen. Dazu gehören Maschinen, Spar- und Kreditmöglichkeiten, Lager- und Verarbeitungsmöglichkeiten sowie der Zugang zu Märkten.
Es wird viel darüber diskutiert, dass junge Menschen die Landwirtschaft verlassen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Viele junge Menschen ziehen in die Städte oder arbeiten außerhalb der Landwirtschaft. Trotzdem unterstützen sie häufig weiterhin den Familienbetrieb. Sie schicken Geld nach Hause, beteiligen sich am Kauf von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln oder investieren in die Infrastruktur des Betriebs.
Natürlich werden einige junge Menschen bleiben und weiterhin selbst Landwirtschaft betreiben. Aber auch wenn andere weggehen, bleibt Landwirtschaft eine Aufgabe der ganzen Familie. Diese Perspektive ist wichtig, wenn kleinbäuerliche Landwirtschaft langfristig bestehen soll.
Sie sprechen viel über Familienbetriebe. Warum ist dieses Konzept so wichtig?
Weil es in vielen ländlichen Gemeinschaften längst Realität ist. Auf einem typischen landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten häufig Mann und Frau gemeinsam.
Wir müssen auch anerkennen, dass der Betrieb nicht allein dem Mann gehört. Es ist wirklich der Betrieb der ganzen Familie.
Wenn wir speziell auf die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft schauen: Vor welchen Herausforderungen stehen sie?
Zunächst müssen wir anerkennen, dass Frauen in der Landwirtschaft eine große Last tragen. Sie arbeiten in der Landwirtschaft, übernehmen gleichzeitig aber auch die Hausarbeit, kümmern sich um Kinder und häufig um ältere Familienmitglieder. Dadurch haben sie weniger Möglichkeiten, an Schulungen teilzunehmen oder Führungsaufgaben in Kooperativen und Gemeinschaften zu übernehmen. Deshalb sollte Sorgearbeit nicht allein Aufgabe der Frauen sein, sondern innerhalb der Familie gemeinsam getragen werden. Wenn Frauen entlastet werden, haben sie mehr Möglichkeiten, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten weiterzuentwickeln und sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Wir brauchen außerdem Angebote, die sich an der Lebensrealität von Frauen orientieren. Viele landwirtschaftliche Maschinen sind nicht für sie konzipiert. Manche Geräte sind beispielsweise zu schwer oder zu groß, um von Landwirtinnen gut genutzt werden zu können.
Gibt es Bereiche, in denen Sie bereits Fortschritte sehen?
Ja. Einige Unternehmen entwickeln inzwischen Maschinen und Verarbeitungsgeräte, die besser auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind. Kakaobäuerinnen können beispielsweise kleinere Mengen Kakao mit Geräten verarbeiten, die zu ihrem Produktionsumfang passen, und daraus Schokoladenprodukte herstellen. So können sie zusätzliches Einkommen erzielen und ihre Produkte direkt auf lokalen Märkten verkaufen. Auch die Digitalisierung bewirkt viel. In einem Projekt haben wir eine einfache Software für das Finanzmanagement von Frauenkooperativen eingeführt. Zuvor erledigten viele Frauen ihre Buchhaltung von Hand, was sehr zeitaufwendig war. Die Software hat ihren Arbeitsaufwand reduziert, die Finanzberichterstattung verbessert und das Vertrauen innerhalb der Kooperativen gestärkt.
Können gut gemeinte Entwicklungsprogramme bestehende Geschlechterungleichheiten manchmal sogar verstärken?
Ja, das kann passieren. Viele Maßnahmen werden von oben nach unten entwickelt ohne vorher genau zu analysieren, wie die Lebensrealität von Frauen aussieht. Manche Projekte schaffen dadurch zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, erhöhen gleichzeitig aber die Arbeitsbelastung der Frauen, anstatt sie zu verringern. Deshalb sollte jedes Programm mit einer fundierten Genderanalyse beginnen. Wir müssen verstehen, welche geschlechtsspezifischen Ungleichheiten bestehen, über welche Ressourcen Frauen bereits verfügen und welche Fähigkeiten sie mitbringen. Andernfalls können selbst gut gemeinte Maßnahmen bestehende Ungleichheiten unbeabsichtigt verstärken.
Klimafinanzierung war ebenfalls ein zentrales Thema der Bonner Klimakonferenz. Was fordern Landwirt*innen?
Landwirt*innen fordern eine Klimafinanzierung, die sich stärker an ihrer Realität orientiert. Finanzierung für Klimaanpassung muss besser verfügbar, leichter zugänglich und verlässlicher werden. Zu oft sind finanzielle Mittel zwar vorhanden, kommen aber nicht bei den landwirtschaftlichen Gemeinschaften an. Eine konkrete Lösung wäre, direkte Zugangsmechanismen auszubauen. So könnten Landwirt*innen und ihre Organisationen Klimafinanzierung erhalten, ohne unnötige Hürden überwinden zu müssen.
Wenn Sie politischen Entscheidungsträger*innen und Gebern eine Botschaft mitgeben könnten, welche wäre das?
Wir brauchen eine deutlich inklusivere Governance. Regierungen, Geber und Entwicklungspartner sollten Räume schaffen, in denen Landwirt*innen und lokale Gemeinschaften tatsächlich an der Gestaltung von Programmen und politischen Maßnahmen mitwirken können. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen sollten von Anfang an in Entscheidungen einfließen. Gleichzeitig müssen wir stärker in landwirtschaftliche Kooperativen und Bauernorganisationen investieren. Sie ermöglichen Landwirt*innen den Zugang zu wichtigen Angeboten und Ressourcen, stärken ihre Resilienz und helfen ihnen, Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Die Unterstützung dieser Organisationen ist einer der wirksamsten Wege, um Familienbetriebe zu stärken, ihre Resilienz zu erhöhen und die Lebensgrundlagen ländlicher Gemeinschaften zu verbessern.
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