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20 Jahre internationales Engagement, 10 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Die Andreas Hermes Akademie (AHA) hat einen ganz besonderen Meilenstein erreicht und Partnerinnen und Partner eingeladen, darüber zu diskutieren, was sich in der Vergangenheit bewährt hat und was künftig erforderlich ist, um widerstandsfähige Agrar- und Ernährungssysteme zu schaffen. Aus diesem Anlass veröffentlichte die AHA zudem ihre neue Publikation „Farmers’ Organisations“, ein Handbuch, das ab sofort online für Fachkräfte und Praktikerinnen und Praktiker weltweit verfügbar ist.
Expert*innen aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, Vertreter*innen der Privatwirtschaft sowie Entscheidungsträge*rinnen aus Politik und Verbänden – darunter das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) – kamen am 20. Mai 2026 in Berlin zusammen, um die langjährige Zusammenarbeit und die gemeinsamen Erfolge mit der Andreas Hermes Akademie (AHA) zu würdigen. Nicole Bolomey, Leiterin von AHA International, eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf die gegenwärtigen globalen Herausforderungen und die Rolle der Landwirtschaft in bewegten Zeiten:
„In einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, müssen unsere Haltung, Demut und gegenseitiges Vertrauen die Grundlage für neue Formen der Zusammenarbeit sein – und für den Aufbau einer Agrar- und Ernährungswirtschaft, die dem Wohl aller dient.“
Die Andreas Hermes Akademie ist die zentrale Bildungseinrichtung des Deutschen Bauernverbandes (DBV). International liegen ihre Schwerpunkte auf Aus- und Weiterbildung, Führungskräfteentwicklung sowie Organisationsentwicklung. Mit maßgeschneiderten Angeboten unterstützt sie Landwirtinnen und Landwirte, Bauernverbände, Genossenschaften, Netzwerke junger Landwirtinnen und Landwirte sowie weitere Akteure der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Afrika, Asien und anderen Regionen der Welt. Ein wichtiger Baustein sind die Entrepreneurship-Trainings (b|u|s), die die AHA gemeinsam mit regionalen und internationalen Trainerpools entwickelt hat und durchführt. Zu den anwesenden Trainerinnen und Trainern gehörte auch Tewodros Eshetu, der in Äthiopien Schulungen für mehr als 1.500 Landwirtinnen und Landwirte in Saatgutproduzierenden Genossenschaften koordiniert und durchgeführt hat. Maßnahmen wie Buchführungskurse und Round-Table-Diskussionen halfen den Genossenschaften dabei, ihre Betriebe professioneller zu führen und neue Mitglieder zu gewinnen
Möglich wurde dies auch durch die Unterstützung des GIZ-Programms „Global Programme Strengthening Farmers’ Organisations for Sustainable Agricultural Development“. Seit mehr als zehn Jahren begleitet das Programm die AHA und weitere Partner bei ihren Aktivitäten in Äthiopien, Burkina Faso, Kenia, Uganda, Togo, Sambia, Benin, Südafrika und Indien. Darüber hinaus unterstützt es Partnerorganisationen wie das globale Netzwerk der Agri-Agencies AgriCord, die BBV-Landfrauen Internationale Zusammenarbeit GmbH (BBV-LIZ), die Schorlemer Stiftung sowie den dlv – Deutscher LandFrauenverband. Insgesamt haben rund 800 Trainerinnen und Trainer etwa 40.000 Menschen in den Bereichen Unternehmertum, Führungskompetenz und Interessenvertretung qualifiziert. Rund 600 Organisationen wurden zudem im Rahmen der Organisationsentwicklung begleitet.
„In einer Zeit, in der nicht nur die Budgets, sondern auch die Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft schrumpfen, möchte das BMZ die Bedeutung von Organisationen wie der Andreas Hermes Akademie für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit besonders hervorheben“, sagte Dr. Andreas Schaumayer, Leiter des BMZ-Referats für Ernährungssicherung und Wasser, in seiner Keynote. „In den vergangenen zehn Jahren haben wir erlebt, wie entscheidend Ihre Erfahrung und Ihre lokalen Netzwerke für die erfolgreiche Unterstützung von Partnerorganisationen weltweit waren.“ Mit Blick auf die zukünftige Rolle junger Landwirtinnen und Landwirte ergänzte Dr. Schaumayer: „Das kommende Jahrzehnt bietet jungen Agrarunternehmerinnen und Agrarunternehmern große Chancen – nicht nur in der Landwirtschaft selbst, sondern entlang der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette: in der Verarbeitung, Logistik, Reparatur- und Wartungsdienstleistungen, der digitalen Rückverfolgbarkeit, der Klimaberatung, der Bereitstellung von Betriebsmitteln, der Unterstützung bei Zertifizierungen, im Bereich erneuerbarer Energien sowie in lokalen Lebensmittelunternehmen.“
Wie junge Landwirt*innen zu Gestalter*innen der Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen werden können, zeigte eindrucksvoll die Geschichte von Kakunandunda Kaikajora Oshoveli Katuuo, einer jungen Landwirtin aus Namibia. Sie berichtete über die Herausforderungen und Chancen für junge Menschen in ländlichen Regionen. Ihr Weg in den Gartenbau begann unerwartet während des COVID-19-Lockdowns im Jahr 2020. Gemeinsam mit ihrer Familie lebte Kakunandunda in Aminuis, einer kleinen Gemeinde in einer der von Dürre am stärksten betroffenen Regionen Namibias. Geschlossene Grenzen, leere Geschäfte und die zunehmende Ernährungsunsicherheit machten deutlich, wie dringend gehandelt werden musste. „Ich erinnere mich daran, wie ich durch das Dorf ging und erkannte, dass Familien hungern würden, wenn wir nicht aktiv würden“, erinnert sie sich. Dieser Moment war der Ausgangspunkt für Orevia Green Farms. Was als Reaktion auf eine Krise begann, entwickelte sich rasch zu einem erfolgreichen Unternehmen, das Schulen, Einzelhändler und regionale Einrichtungen mit frischen Lebensmitteln beliefert. Mit Orevia Green Farms zeigt Kakunandunda eindrucksvoll, wie Frauen durch Führungsstärke, Fürsorge und Verantwortung in Familie und Betrieb wesentlich zur Stabilität von Agrar- und Ernährungssystemen beitragen. Ihre Führungskompetenzen entwickelte sie im Young Leadership Incubation Programme (YLIP), das von der AHA in Zusammenarbeit mit der Southern African Confederation of Agricultural Unions (SACAU) durchgeführt wird. Ihr Engagement reicht weit über den eigenen Betrieb hinaus: Sie beteiligt sich an agrarpolitischen Diskussionen und Initiativen für junge Landwirt*innen und setzt sich dafür ein, dass Frauen und junge Menschen die Zukunft der Landwirtschaft in Namibia aktiv mitgestalten.
Martina Englhardt-Kopf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), würdigte diese Erfolgsgeschichte und bezeichnete Kakunandunda als Vorbild für Frauen in der Landwirtschaft. Sie erinnerte außerdem an das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Bäuerin 2026 und hob die zentrale Rolle hervor, die Frauen in Agrar- und Ernährungssystemen spielen. Zugleich bekräftigte Englhardt-Kopf die große Bedeutung von Aus- und Weiterbildung für junge Menschen und Frauen in der Landwirtschaft: „Als Kompetenzzentrum für Personal- und Organisationsentwicklung ist die Andreas Hermes Akademie ein zentraler Pfeiler der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung“, betonte sie.
In den Podiumsdiskussionen befassten sich die Teilnehmenden sowohl mit den Herausforderungen als auch mit den Chancen für unternehmerisches Handeln in der Landwirtschaft und die Stärkung von Landwirt*innen. Jaqueline Mkindi, Geschäftsführerin der Tanzania Horticultural Association (TAHA), wies auf die weiterhin bestehenden logistischen Hürden im regionalen und internationalen Handel hin. Gleichzeitig hob sie das große Marktpotenzial innerhalb Afrikas hervor. Darüber hinaus unterstrich sie die Bedeutung des Kapazitätsaufbaus für Kleinbäuerinnen und -bauern. Es sei entscheidend, dass „die Kleinbäuerinnen und -bauern vor Ort verstehen, was von ihnen erwartet wird“, damit sie sich erfolgreich in Geschäftsbeziehungen einbringen und von neuen Marktchancen profitieren können.
Den Abschluss des Abends bildete die Vorstellung der neu erschienenen Publikation der Andreas Hermes Akademie: „Farmers’ Organisations – A Handbook“. Das Handbuch soll Orientierung im komplexen Gefüge organisierter Landwirtschaft und der unterschiedlichen Formen bäuerlicher Organisationen bieten. Es versteht sich weder als starre Typologie noch als allgemeingültige Blaupause, sondern als ein praxisnaher Orientierungsrahmen, der ein besseres Verständnis für die Vielfalt von Bauernorganisationen und ihre jeweiligen Rollen vermittelt. Durch die Darstellung zentraler Unterschiede, wiederkehrender Muster und praxisrelevanter Erkenntnisse gibt das Handbuch seinen Leserinnen und Lesern Instrumente an die Hand, um Bauernorganisationen besser einzuordnen, gezielt zu unterstützen und wirkungsvoll mit ihnen zusammenzuarbeiten. Das Handbuch wurde mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erstellt und steht für die nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos zum Download bereit.